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Handwerkerrechnung zu hoch? So prüfst du deine Rechnung in 5 Schritten

4. April 20263 Min. Lesezeitvon Paul Wilke

Deine Handwerkerrechnung ist zu hoch? Hier erfährst du in 5 Schritten, wie du sie prüfst, was deine Rechte sind und wann du widersprechen solltest.

Handwerkerrechnung zu hoch? So prüfst du deine Rechnung in 5 Schritten

Du hast eine Handwerkerrechnung bekommen und denkst: das kann doch nicht stimmen? Damit bist du nicht allein. Laut Verbraucherzentralen gehören überhöhte Handwerkerrechnungen zu den häufigsten Beschwerden.

Die gute Nachricht: Du musst eine überhöhte Rechnung nicht einfach akzeptieren. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du deine Rechnung systematisch prüfst und was du tun kannst wenn etwas nicht stimmt.

Schritt 1: Detaillierte Rechnung anfordern

Der erste und wichtigste Schritt. Du hast nach § 14 UStG Anspruch auf eine aufgeschlüsselte Rechnung. Das bedeutet:

  • Einzelne Positionen mit Beschreibung
  • Arbeitsstunden mit Stundensatz
  • Materialkosten separat ausgewiesen
  • Anfahrtskosten separat ausgewiesen
  • Mehrwertsteuer korrekt berechnet

Wenn deine Rechnung nur einen Pauschalbetrag enthält, fordere eine detaillierte Aufstellung an. Das ist dein Recht.

Schritt 2: Stundensätze vergleichen

Handwerkerstundensätze variieren nach Gewerk und Region. Hier eine Orientierung:

  • Sanitär/Heizung: 55-85 €/h
  • Elektro: 50-80 €/h
  • Maler: 40-65 €/h
  • Tischler: 50-80 €/h
  • Dachdecker: 55-85 €/h
  • Fliesenleger: 45-70 €/h

Diese Werte sind Branchendurchschnitte. In Großstädten (München, Hamburg, Frankfurt) liegen die Sätze oft 20-30% höher, in ländlichen Gebieten entsprechend niedriger.

Schritt 3: Arbeitszeit plausibel?

Prüfe, ob die angegebene Arbeitszeit realistisch ist. Ein Wasserhahntausch sollte keine 3 Stunden dauern. Eine Steckdose setzen keine 2 Stunden.

Typische Richtwerte:

  • Wasserhahn tauschen: 30-60 Minuten
  • Toilettenspülung reparieren: 30-90 Minuten
  • Steckdose/Lichtschalter: 20-45 Minuten
  • Heizkörper tauschen: 1-2 Stunden
  • Waschbecken montieren: 1-2 Stunden

Schritt 4: Kostenvoranschlag vergleichen

Hattest du einen Kostenvoranschlag? Dann vergleiche die Endsumme. Nach § 650 BGB muss der Handwerker dich informieren, sobald eine „wesentliche Überschreitung" absehbar ist. Als wesentlich gelten in der Regel 15-20% über dem Voranschlag.

Wurde die Überschreitung nicht rechtzeitig mitgeteilt, hast du gute Chancen, den Mehrbetrag nicht zahlen zu müssen.

Wichtig: Ein Kostenvoranschlag ist keine Preisgarantie. Aber er setzt eine Erwartung, an die sich der Handwerker weitgehend halten muss.

Schritt 5: Materialkosten prüfen

Handwerker dürfen einen Aufschlag auf Materialien berechnen (üblicherweise 10-25%). Aber die Grundpreise sollten nachvollziehbar sein. Tipp: Google den Materialpreis und rechne 15-20% Aufschlag drauf. Liegt der Rechnungsbetrag deutlich darüber, frag nach.

Was tun wenn die Rechnung tatsächlich zu hoch ist?

1. Schriftlich widersprechen

Schreibe dem Handwerker, dass du die Rechnung für überhöht hältst. Nenne konkrete Positionen. Schriftlich (E-Mail reicht, Brief ist besser).

2. Unstrittigen Teil zahlen

Zahle den Betrag, den du für angemessen hältst. Verweigere nicht die komplette Zahlung, das kann nach hinten losgehen.

3. Schlichtung über die Handwerkskammer

Die regionalen Handwerkskammern bieten kostenlose Schlichtungsstellen an. Oft die schnellste und günstigste Lösung.

4. Sachverständigen einschalten

Bei größeren Beträgen (ab ca. 1.000 €) kann sich ein Sachverständigengutachten lohnen. Kostenpunkt: 80-250 €/h.

Steuer-Tipp: Handwerkerkosten absetzen

Unabhängig davon ob die Rechnung fair ist: Handwerkerkosten sind steuerlich absetzbar. Nach § 35a EStG kannst du 20% der Arbeitskosten (nicht Material!) direkt von deiner Steuerschuld abziehen. Maximum: 1.200 €/Jahr. Voraussetzung: Zahlung per Überweisung, nicht bar.


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